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LARHGO III

Hier der von LARHGO III - dem Live-Rollenspielereignis vom 1.-4.4. - wie immer aus der Sicht eines Spielleiters.

Der Ort des Ganzen war Gehrden, südlich von Hannover. Dort stand uns eine Hütte zur Verfügung, am Nordrand eines schätzungsweise einen Kilometer breiten und zwei Kilometer langen Waldes. Die Hütte besteht aus einem kleinen Gebäude mit Gibeldach, in der eine Küche und ein Dachboden gerade genug Platz für die Spielleitung boten, während ein großer, achteckiger Raum mit Pyramidendach und Feuerstelle genug Platz für die insgesamt 77 Teilnehmer bot. Ferner diente ein Aussichtsturm als Wohnstatt allerlei finsteren Gesindels, dazu aber später. Weiter im Süden des Waldes befanden sich einige Gedenksteine sowie ein stilvoller Friedhof mit burgruinenartigen Mauerresten sowie einer kleinen Grotte nebenan. Ebenfalls eine Grotte größerer Art befand sich im gleich neben der Hütte befindlichen Steinbruch. Dort fand das Siechenhaus unseres Medicus Unterkunft.

Seit Mittwoch hatte sich die Spielleitung in der Hütte aufgehalten und begonnen, die Zelte für die Spieler aufzubauen und Schauplätze vorzubereiten. Donnerstag abend kamen die NSCs, die dann am Freitag in das geplante Geschehen eingewiesen wurden. Freitag Nachmittag schließlich kamen auch die Spieler, und ab Freitag abend wimmelte es dann auch von mittelalterlich gewandeten Gestalten. Sagenhaft, was sich die Teilnehmer für Kostüme gebastelt hatten! Mehrere komplette Metallrüstungen aus Blech und/oder Kettenringen! Helme! Lederrüstungen, Kleider, Mützen, Felle, Polsterwaffen - ach, einfach nur vom Feinsten!!! Ein wahrer Augenschmaus.

Die Planung der Spielleitung sah folgendermaßen aus: König York, der bei unserem letzten Rollenspielspektakel im August letzten Jahres gekrönt wurde (ihr erinnert euch noch?), würde vergiftet werden. Ein böser Magier, der schon Yorks Krönung verhindern wollte, war schuld daran, wollte er doch die Macht an sich reißen, um LARHGO der Finsternis anheim fallen zu lassen. König York ließ sich von seinem Blendwerk täuschen und vertraute ihm, was sein Tod werden sollte. Auch eine Gruppe von mutigen Recken, die schon beim letzten LARHGO den Magier unschädlich machen sollte, würde den Tod nicht verhindern können. Doch York würde nicht das einzige Opfer von Gift sein. Nein, denn dem besagten Magier war es zu Ohren gekommen, daß jene Gruppe nach seinem Leben trachtete, und er wollte sie elegant aus dem Weg räumen, indem er ihnen ein Gift verabreichte, welches seine Wirkung erst nach drei Tagen entfalten sollte, so daß er nicht in Verdacht geräte. Dummerweise würde jedoch der bestochene Bedienstete, der der Gruppe den tödlichen Trunk überbringen sollte, eine Verwechslung machen, die eine weitere Gruppe von Helden in Gefahr bringen sollte. Vor seinem Tode noch würde König York einen gefassten Räuberhauptmann aburteilen, Tod würde der Richterspruch lauten. Um eben diesen Räuberhauptmann jedoch zu erretten, haben seine getreuen Räubergefährten eine holde Maid entführt, um den Hauptmann freizupressen. Diese Maid wieder zu finden, sollte eine Aufgabe für eine weitere Gruppe sein. Schließlich sollte dann da noch der besoffene sein, der inmitten einer Diebesgruppe von einer Schatzkarte erzählen sollte, derer er habhaft geworden war und die er dann unvorsichtigerweise in seinem Suff verlieren sollte. Soweit die Theorie...

Wie immer sah die Praxis wieder mal ganz anders aus. Die Festtafel begann, und sie war klasse. Zu einem Feste hatte König York geladen, und viele Recken und Maiden waren gekommen, ihrem König zu huldigen. Vielerlei Musikanten und Gauklerscharen waren zugegen, und neben so manchem Lied gab es sogar ein Theaterstück! Spöttelnde Lieder um York und den Skalden Gnervt wurden zu Vortrage gebracht und erheiterten die Gemüter aller. Dazu wurde Tschai gereicht, ein äußerst schmackhaftes Getränk auf Tee, Traubensaft, Früchten und Gewürz. Alle hatten etwas leckeres zum Feste mitgebracht, so daß es ein wahrer Schmaus wurde. Sogar dem Räuberhauptmann welchen König York zum Tode durch das Schwert verurteilt hatte, wurde die Gnade gewähret, sich noch dem Schmause hinzugeben. Eine Güte, welche er nur durch schmähende Worte vergolt. Doch da! plötzlich betritt eine dunkel anmutende Gestalt den Raum! Nein! Gott steh uns bei, es ist der Tod daselbst! Er tritt vor den König hin und spricht dunkle Worte, von Tod, von Finsternis, von einfallenden Feinden! Und schließlich reicht er dem Könige einen Becher, um daraufhin zu entschwinden! Besorgt warnen Yorks Mannen ihn davor, den Trunk hinunterzustürzen, doch - oh weh! - er scheint sich an nichts zu erinnern, und ehe es verhindert werden kann, hat er auch schon einen tiefen Zug genommen - der Krug ist leer! Doch es scheint gut zu sein, er winkt den besorgten Mannen ab. Gerade will sich Erleichterung breit machen, da beginnt er zu Husten. Erst nur schwach, dann immer stärker schütteln ihn die Krämpfe, es rinnt Blut aus seinem Munde! Er bricht zusammen! Medicus! Gottlob, er verweilet an der Stätten! Sofort ins Siechenhaus, so lautet die erste Diagnose! Eilig wird der König auf einen Tisch verfrachtet und dieser als improvisierte Bahre genutzt. Man trägt ihn ins Siechenhaus, doch - es ist zu spät. Wenig später verkündet der Medicus den Tod des allseits geliebten Königs York.

Aus Sicht der Spielleitung war der Abend recht hektisch. Der Raum war arg eng, und so gelang es uns kaum, Spieler und NSCs auseinander zu halten. Nur mit Mühe brachten wir im Laufe des abends zwei der Aufträge in Schwung. Nur durch die tatkräftige Unterstützung des tüchtigen Medicus gelang es, weitere Aufträge in die Wege zu leiten, so daß schließlich und endlich fünf der geplanten sechs Aufträge liefen. Der Auftritt von Schnitter Tod ging leider etwas unter, aber der Tod des Königs wurde dann doch noch dramatisch genug. Und der Rest der Festtafel übertraf einfach unsere Erwartungen - es waren mehr Musiker da, als wir wußten, und so gab es neben Theater eben auch Musik in Hülle und Fülle. Wir waren höchst zufrieden.

Aber das Wetter. Seufz. Schon am Tag davor hatte es nicht wenig Wasser vom Himmel gegeben. Und es wurde nicht besser. Immer wieder prasselten Schauer nieder. Doch dazwischen war immer wieder Sonnenschein. Es hätte schlimmer sein können. Das allerdings just in dem Moment, als die ersten Gruppen in großer Eile zu ihren Aufträgen aufbrachen und der König zum Heiler gebracht wurde, eines der dicksten Schauer daniederprasseln mußte, war alles andere als schön. Nun, die Spieler trugen es weitgehend mit Fassung, auch wenn es ein paar Probleme mit den Zelten und den niedrigen Temperaturen gab. Toll durchgehalten!

Doch zurück zum Geschehen. Die Spieler brachen nun auf zu ihren Aufträgen, um sich mit NSCs zu treffen etc. So mußte zum Beispiel die vergiftete Gruppe versuchen, die Ingredienzien für ihr Gegengift zusammenzubringen, eine Gruppe wurde von der Wache des Königs beauftragt, den Räuberhauptmann dem Henker zu überbringen und so weiter. Alles im Detail zu beschreiben, wäre nun doch etwas zu viel, daher nur grobe Übersicht über den Handlungsverlauf.

Die Räuberhauptmann-wegbring-Gruppe traf tatsächlich einen Henker - doch war es ein falscher! Die Räuber hatten ihn dorthin gebracht, und so gelang es ihnen, ihren Hauptmann kampflos zurück zu gewinnen. Sehr zum Leid der Gruppe, die ihn hingebracht hatte, war es doch eine Frage der Ehre, den hauptmann wieder zu finden. Die Giftgruppe wanderte von Zauberlehrling zu schamane, von Schamane zu Händler, von Händler zu Heiler und immer so weiter, stets auf der Suche nach dem Gifte. Nach einigen Anlaufaschwierigkeiten gelang es schließlich auch, den Dieben die Karte unter die Nase zu reiben (Mein Gott, was waren das für Diebe??? Wie können die sich so schwer tun, eine solch gewinnträchtige Sache anzunehmen... ts!). Der Kaufmann suchte sich ein paar Recken, die seine entführte Maid wiederfinden sollten. Die winkende Belohnung war hoch!

Bereits am ersten Tag wurde das Räuberlager entdeckt (Boah! der Waldläufer hatte wahrlich scharfe Augen - ich hätte das Lager NIE auf diese Enfernung mitten im Wald gesehen!!!) und ausgehoben. Jedoch war die holde Maid nicht da und der Hauptmann und die meisten der Räuber konnten fliehen. Nun wurden die Räuber in den Turm verlegt, als böse Gesellen des Magiers. Am späten Nachmittag dann wurde ein mutmaßlichen Königsmörder gefangen, jedoch waren die Beweise dünn. Hatte sie möglicherweise der Wachhauptmann gefälscht? Nun, ein Gottesurteil sollte dies klären, wobei ein Priester unsere Götter anzuzweifeln wagte!!! Gotteslästerer! Er wurde in Gewahrsam gebarcht. Ein Zweikampf zwischen Wachhauptmann und Angeklagten erwies die Unschuld des letzteren. Alles in allem war diese Aktion jedoch eher ein Reinfall - irgendwie sind wir als Spielleiter etwas durcheinander gekommen - alles wirkte schief, irgendwie falsch... dementsprechend war die Stimmung unter den Spielern eher murrend. Die Verbrennung des Leichnams des Königs am selben Abend hatte zwar einige Timing- Probleme, die aber wohl am ehesten die Spielleiter in Nervosität versetzten als den Spielern wirklich auffielen. Sie konnte die Stimmung wieder herstellen und alle huldigten dem noch unbekannten und kommenden König. Eine der tollsten Ideen kam von unserem Medicus - denn er verkündigte, daß von nun an jedes Jahr am Vorabend zum Sonntag im ganzen Lande Feuer zur Erinnerung an König Yorks Verbrennung entfacht werden würden. Nun, wartet nächstes Ostern ab, ihr werdet es sehen! Für mich werden ab sofort die Osterfeuer nicht mehr Osterfeuer sondern Yorksfeuer heißen!!! An jenem Abend hatte man vom Turm aus einen herrlichen Blick auf den Sternenhimmel und auf zahlreiche Yorksfeuer! Es war magisch. Außerdem hatte es lange nicht mehr geregnet - sollte sich das Wetter bessern?

Die Stimmung in der Spielleitung hatte nun aber ihren Tiefpunkt. Ungerechtfertigterweise, wie sich später zeigte, aber wir waren zu dem eindeutig falschen Eindruck gekommen, daß es den Spielern an Eigeninitiative mangele. Ferner waren einige Spieler negativ aufgefallen und dann noch diese Panne mit dem verhunztn Urteil. Umpf. Etwas frustriert stieg man in die Schlafsäcke.

Der nächste Tag sollte aber alles rausreißen! Als erstes einmal hörte es tatsächlich auf zu regnen! Sonne begrüßte uns am Morgen, und die Zahl der Schauer an diesem tage ließ sich am Armstumpf eines gefaßten Diebes abzählen :-) Die führte zu Aktivitäten seitens der Spieler, die einen Bienenkorb in den Schatten stellten. Wir von der Spielleitung kamen kaum hinterher, die NSCs durch die Lande zu schicken. Hektik! Außerdem fanden wir heraus, das gestern eben DOCH schon eine ganze Menge gelaufen war, daß uns nur die Berichte fehlten. Alles drehte auf Vollgas, und der Spaß war da - für alle, Spieler, NSCs und Spielleitung (man möge mir widersprechen, wenn ich hier zu hoch greife - aber bis auf ganz wenige Ausnahmen war dies wirklich mein Eindruck).

Zur Dämmerung war es uns dann gelungen, viele NSCs in den Turm zu bringen, nebst dem bösen Magier und der holden Maid. Eilig wurde eine Tür zusammengezimmert (wieder eine der genialen Ideen unseres Medicus, der eine unschätzbare Bereicherung für uns war!), welche man mit einem Rammbock zerbersten könnte. Im Lager wurde nun das Gerücht ausgestreut, daß der Magier die holde Maid opfern wolle, und so hatte sich schnell ein Haufen von Mutigen gefunden, die die Erstürmung des Turmes vorbereiteten. Die Taktik war gut: Die Priester und Heiler nach hinten, die Kämpfer mit Stangenwaffen und Schilden nach vorne. Das Tor war schnell mit einem Rammbock erstürmt, und einige Überläufer unter den Reihen der Magiertreuen verursachten erste Tote und so war die erste Ebene rasch gestürmt. Verwundete kamen nach hinten, um geheilt zu werden, ansonsten stürmte man Etage um Etage! Magie und Gefechte, Schreie, Tot, Verletzte - das Chaos brandete die Treppen des Turmes hinauf! Da stand er der Magier! Grade holte sein Scherge aus, der holden Maid den hübschen Kopf von den Schultern zu schlagen, als die Tapferen alles verhinderten! Das Gute hatte gesiegt!

Als schönen Abschluß des ganzen gab es dann die Krönung des neuen Königs, begleitet von Lied und Speis und Trank. Es wurde gefeiert und gelacht.

In der Spielleitung machte sich schon die Hoffnung breit, man könne die Zelte vielleicht doch noch trocken nach Hause kriegen, doch der nächste Morgen war das verregnetste, was wir die ganze Zeit überhaupt hatten. Grummel. WARUM???????? Na, alles half beim Abbauen, und so zog man dann von Dannen, mit der gegenseitigen versicherung, daß man sich wiedersieht. Trotz der vielen kleinen Pannen, die es wohl immer geben wird, kann ich wirklich mit zufriedener Erschöpfung und Müdigkeit hier schreiben:

EIN WAHRHAFT GELUNGENES LIVE-ROLLENSPIEL!

Meinen Dank an Spieler, NSCs und besonders an den Medicus!

Zum Seitenanfang · Letzte Änderung: 14.7.2009